14.08.2020

Ich stolperte kürzlich in einem Forum mal wieder über den häufig gebrachten Hinweis auf die deutliche Strehlminderung durch Obstruktion. Gerne wird da unter anderem die Berechnung gebracht, dass man für beugungsbegrenzte Abbildung bei z.B. 25% Obstruktion schon einen Spiegelstrehl von 0,91 benötigt.

Es ist weitaus komplizierter, stimmt so platt selbst theoretisch schon nicht wirklich aber wie grau alle Theorie ist, mag das Beispiel (m)eines 8 Zoll f/5 Hauptspiegels mit zertifiziertem 0,84er Strehl zeigen.

Der größte verschlechternde Faktor ist bei diesem, wie bei sehr vielen anderen Spiegeln, die Mitte. Oft ist auch mal die Kante, also der Rand, zustäzlich schlecht oder der Rest brauchbar. Okay, Rand/Kante kann man abdecken, das kostet Öffnung, der Gewinn an Abbildungsleistung kann aber den geringen Öffnungs-/Auflösungsverlust deutlich überwiegen.

Den stattlichen Zentralberg meines Spiegels deckt der passende Fangspiegel ohne Öffnungsverlust ab. Das macht gut 0,1 Strehlpunkte aus. Der HS-Strehl liegt mit zentraler Abschattung deutlich über 0,9. Der Spiegel ist also für meinen Dobson nahezu perfekt und er war als "Durchfaller" (wer kauft schon zertifizierte 0,84 Strehlpunkt-Gurken teuer) sogar normal bepreist. In dem Fall verhindert die Obstruktion, also die Abdeckung durch den Fangspiegel, dass der bedeutendste Fehler des Spiegels in irgendeiner Art und Weise zum Tragen kommt. Trägt ein solcher Zentralberg zur Abbildung bei, kann man in Hoch- und Höchstvergrößerung bemerken, dass Details schneller schwammig und weich werden als ohne einen solchen Fehler, der Kontrast schwindet früh.

So ein Zentralberg, solange er zur Abbildung beiträgt, ist ein Zonenfehler. Zonenfehler drücken, wie z.B. auch abgesunkene Kanten oder ein hochgezogener Rand, mehr Licht aus dem zentralen Beugungsscheibchen in die Beugungsringe. Der Kontrast sinkt. 

Der fleißige Berechner müsste im praktisch vorliegenden Fall und wirklich in jedem Fall also die Kompensation von Spiegelfehlern einrechnen und käme z.B. im konkreten Fall mindestens auf Gleichstand, wenn nicht sogar mit Obstruktion auf einen Vorteil.

Auch in weniger extremen Fällen wirkt sich Obstruktion in der Praxis nicht so negativ aus wie rein theoretisch zutreffende Berechnungen, die de fakto von anderen Voraussetzungen ausgehend stattfinden, Glauben machen können.

Wenn trotz dieser simplen Tatsachen immer noch Zweifel nagen, nehmen wir halt für die Obstruktionskompensation einfach ein Zoll mehr Öffnung, dann passt das locker, auch mit ein wenig Strehlverlust irgendwo. Wir haben dann reichlich überkompensiert.