Wenn man ein Fernglas zur Himmelsbeobachtung nutzen will, gibt es einen einfachen Test, ob es sich eignet und gut genug justiert ist.

Man stellt das Fernglas an einem hellen Stern scharf. Dann stellt man eine Seite, z.B. über den Dioptrienausgleich so weit wie möglich unscharf.

Danach wartet man ein paar Minuten und beobachtet anschließend mit einem Auge den scharf gestellten Stern mittig im Feld. Öffnet man dann das Auge auf der Seite wo man unscharf gestellt hat, sieht man eine neblige, runde Wolke und einen scharfen Sternpunkt. Ist die Nebelwolke kreisrund und steht der Sternpunkt in der Mitte der Wolke ist das Fernglas sehr gut justiert. Steht der Sternpunkt irgendwo innerhalb einer rundlichen Wolke ist es immer noch okay. Je schlechter das aber wird, um so mehr Mühe hat unser Visus, die so entstehenden Doppelbilder auf Deckung zu bringen, was sehr anstrengend und/oder ermüdend ist, auch zu Kopfschmerzen führen kann oder man schafft es gar nicht mehr. Diesen Versuch, die Bilder auf Deckung zu bringen, unternimmt unser Visus oft sogar während des Tests. Schaut man länger konzentriert hin, passiert es häufig, dass der scharfe Punkt in Richtung Wolke wandert. Der Anblick direkt nach Öffnen des zweiten Auges zeigt den Zustand der Optik.

Für mich selbst heißt alles zwischen brauchbar und gut, dass ich die Finger von der Optik lasse. Nur wenn es schlechter ist und/oder sich doch Unwohlsein und Ermüdungserscheinungen einstellen, versuche ich eine bessere Justage herzustellen.

Man kann dann zunächst mal nachschauen, ob an den Tuben geschraubt werden kann, denn manchmal sind nur die feinen Gewinde der Tuben und Prismengehäuse verkantet zusammen geschraubt. Das ist zu beheben indem man die Tuben vollständig abschraubt und beim erneuten Zusammenschrauben auf den geraden Sitz und kurz vor dem Festschrauben auf einen gleichmäßigen Anschlag am Prismengehäuse achtet. Manchmal bemerkt oder hört man auch ein Knacken, wenn die Gewinde beim fest Anziehen überspringen. Das kann das Problem lindern oder beheben.

Besser ist es aber, so ein Fernglas erst gar nicht zu kaufen und/oder vom Rückgaberecht Gebrauch zu machen.

Manchmal hat man so ein Ding aber nun mal da, aus Alt- oder Familienbeständen zum Beispiel. Bevor man es in die Tonne kickt kann man ja mal schadlose Versuche unternehmen, es in einen brauchbaren Zustand zu versetzen. Gerade ältere Ferngläser aus russischer, deutscher oder japanischer Produktion haben zwar sicher nicht die neuesten Vergütungen auf den Linsen, mindestens die Optiken und die Mechanik sind aber vielen heutigen Billigprodukten der Dicounter-Klasse oftmals weit überlegen.....wenn sie denn noch justiert sind. Die Justage, auch die eines sehr guten und teuren Fernglases, kann schon einmal durch einen Schlag, oder durch Herunterfallen verloren gehen. Sehr oft kann man solche Ferngläser neu justieren.

An Porrogläsern kann man, wenn die Ausrichtung der Tuben nichts gebracht hat, nach den Stellschrauben für die Prismen suchen. Ich zeige hier mal Beispielbilder. Die Lage der Schrauben ist im Prinzip immer ähnlich. Gummierungen sind i.d.R. flächig darüber hinweg gezogen. Bei älteren Ferngläsern mit Belederung oder imitierter Belederung gibt es häufig offene Schraubenlöcher, die recht unauffällig verkittet sind.

 

   

 

Bei den alten Schätzchen ist Vorsicht geboten, denn die Schräubchen sind oft aus weichem Messingmaterial und sitzen manchmal recht fest. Mit nicht genau passenden und/oder abgenutzten Schraubendrehern vernudelt man sehr schnell den Schlitz und es dreht sich gar nichts mehr.

Das Vorhaben wird ohnehin schon etwas komplizierter, denn es geht bei der Justage nicht nur um einen horizointalen und vertikalen Versatz, die Strahlengänge können auch zueinander verdreht werden. Der eingangs gezeigte Test kann also nur einen Hinweis auf den Justagezustand liefern, wenn man sich an die Justage herantraut muss er durch einem weiteren Test ergänzt werden. Dazu benötigt man beidseitig das scharfe Bild einer Gebäudeecke, eines (Kirch)Turms, einen entfernten Hausgiebel, jedenfalls etwas mit einer markanten Geometrie von geraden und abgewinkelten Kanten. Für diese Überprüfung der Justage braucht man Helligkeit oder zumindest gut beleuchtete Objekte

 

Wieder muss der "Zwinkertest" gemacht werden, also einäugig konzentriert schauen und dann das zweite Auge öffnen. Wieder versucht der Visus den Fehler zu kompensieren, also zählt auch hier nur der erste Blick und da sieht man bei Dejustage eben nicht das Bild rechts, sondern solche Zustände wie in der Mitte oder links.

Für einen Justageversuch über die Prismen stehen uns auf jeder Seite zwei Prismen mit je einer Schraube zur Verfügung. Reindrehen oder Herausdrehen der Schraube ändert den Kippwinkel des Prismas, damit haben wir also acht Verstellmöglichkeiten die sich alle aufeinander auswirken.

Wenn viel zu tun ist, also die Abweichungen groß sind, erweist sich ein Stativ und feste Aufstellung/Ausrichtung des Fernglases auf das Objekt, an dem die Veränderungen der Justage überprüft werden, als sehr sinnvoll. Es ist auch sinnvoll, öfter mal die Schrauben und auch die Tubusseiten zu wechseln, also beide Seiten einzubeziehen. Ansonsten läuft man Gefahr, einen Strahlengang völlig schief und aus der Achse zu ziehen. Das ist ein Geduldsspiel, wobei man sich mit viertel Umdrehungen der Schrauben dem Fernziel annähern muss. Erschwerend kommt hinzu, dass man irgendwann seinen Augen nicht mehr trauen kann. Der Visus kann leichte Doppelbilder ausgleichen und ein scharfes Bild daraus machen, er kann aber, bei Überlastung, auch in den Streik treten und uns ohne Anlass (auch ohne Alkoholkonsum) doppelt sehen lassen.  Es ist besser, großzügige Pausen einzulegen.

Hat man bei Tage alle Kanten und Winkel schön auf Deckung gebracht, kann es durchaus sein, dass der eingangs gezeigte Test am Stern noch leichte Dejustage zeigt. Man kann dann gaaanz vorsichtige Optimierungen wagen, aber auch nicht zu viel wollen, der Schuss kann nach hinten losgehen.

Sieht man am Tage, an Kanten mit hohem Kontrast, Farbsäume in Magenta oder auch mal Grün, dann hat das mit Dejustage nichts zu tun. Das ist der Farbfehler, den diese (meist) einfachen, achromatischen Objektive nun mal mehr oder weniger ausgeprägt zeigen (dürfen).

 

Die Austrittspupille der Fernglasokulare sollte man bei all der Schrauberei auch im Auge behalten, denn sie muss dabei schon rund und im Okular mittig bleiben. Hilft absolut nichts kann auch mal ein Prisma in seiner Halterung so verrutscht sein, dass über die Schräubchen nichts mehr zu verbessern ist.

Ist der Objektivtubus vom Prismengehäuse geschraubt kann man oft auch den Deckel das Gehäuses demontieren. Oben lässt sich die Okularbrücke nach Lösen des Mitteltriebes entfernen und der, eventuell noch mit einer Schraube gesicherte, Deckel dann abnehmen. Wer als Bastler so weit geht, sollte Beschädigungen oder gar einen Totalverlust zumindest als Möglichkeit in Erwägung ziehen, von daher bleibt eine Empfehlung  zu solchem Vorgehen und auch eine weitere Erläuterung hier aus.